Schwere COVID-19-Erkrankungen wurden nicht nur bei alten, vorerkrankten Patienten, sondern auch bei jungen, gesunden Männern beobachtet. Unklar ist, welche Voraussetzungen für einen schweren Erkrankungsverlauf prädestinieren. Bei vier jungen männlichen Patienten (im Alter zwischen 21 und 32 Jahren) wird eine seltene Genvariante beschrieben, die zu einem primären Immundefekt führt und die Erkrankung aggraviert haben könnte.

Die niederländische Studie beschreibt vier junge Männer aus zwei verschiedenen Familien, die keine chronischen Grunderkrankungen aufwiesen, aber schwer an COVID-19 erkrankten und beatmungspflichtig wurden. Die mittlere Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation betrug 13 Tage (10-16), einer der vier Patienten verstarb. Bei allen wurde eine Gesamt-Exom-Sequenzierung durchgeführt und eine „loss-of-function“-Mutation im Gen TLR7 auf dem X-Chromoson gefunden. Diese führt zu einer Herunterregulierung der Interferon-Signalkette (IFN Typ 1 und 2). Wie die Autoren ausführten, könnten diese Ergebnisse darauf deuten, dass es genetische Prädispositionen gibt, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren und schwere Verläufe zu entwickeln.

TLR7-Signalketten induzieren eine Interferon-Antwort auf SARS-Cov-2-Infektionen. Der beobachtete Defekt am TLR7-Gen könnte, so die Hypothese der Autoren, zu einer eingeschränkten Virus-Clearance führen. In Folge der hohen Viruslast würde dann eine hyperinflammatorische Immunreaktion ausgelöst, die das Risiko schwerwiegender COVID-19-Verläufe erhöht.

Die Autoren schätzen, dass es sich bei der beobachteten „loss-of-function“-Mutation um eine seltene Mutation handle. Es sei auch möglich, dass es „gain-of-function“-Mutationen im Gen TLR7 gebe, die wiederum mit besonders milden COVID-19-Krankheitsverläufen einhergingen.

Van der Made CI, Simons A, Schuurs-Hoeijmakers J et al. Presence of Genetic Variants Among Young Men With Severe COVID-19. JAMA. Published online July 24, 2020.

https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2768926