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Eine in „Science“ publizierte Arbeit berechnete, dass es vor allem undokumentierte Infektionsfälle in China waren, die der Verbreitung der Corona-Pandemie Vorschub geleistet haben. Die Wissenschaftler erstellten ein epidemiologisches Rechenmodell, demzufolge vor dem 23. Januar 2020 lediglich 14% der tatsächlichen Coronafälle in China dokumentiert waren.

Chinesische Wissenschaftler erstellten ein epidemiologisches Rechenmodell, in welches Beobachtungen über re-importierte SARS-CoV2-Infektionen unter anderem in Verbindung mit Mobilitätsdaten der Bevölkerung einbezogen wurden. Auf diese Weise wurde berechnet, dass bis zum 23. Januar 2020 (vor den Reisebeschränkungen) 86% aller Infektionen undokumentiert waren, möglicherweise auch, weil die Betroffenen keine oder nur milde Symptome hatten. Eine solche Dunkelziffer würde die schnelle Ausbreitung der Pandemie erklären. Laut Berechnung waren undokumentierte Infektionen Ansteckungsquelle für allein 79% der dokumentierten Fälle. Die Studie zeigt, wie schwer das Virus unter Kontrolle zu halten ist, gibt aber auch Hoffnung: Wenn die Berechnungen stimmen, wären schwere Verläufe deutlich seltener als bislang angenommen

Li R, Pei S, Chen B et al. Substantial undocumented infection facilitates the rapid dissemination of novel coronavirus (SARS-CoV2). Science. 2020 Mar 16. pii: eabb3221. doi: 10.1126/science.abb3221 [Epub ahead of print]

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