Alters- und Pflegeheime gelten als Hochrisiko-Umgebungen für Covid-19-Ausbrüche. Eine aktuelle Publikation zeigt eindrucksvoll, dass bereits ein einzelner Fall nicht unterschätzt werden darf.

Im „New England Journal of Medicine“ wird aktuell über den Covid-19-Ausbruch in einer professionellen Pflegeeinrichtung in King County im US-Bundesstaat Washington berichtet. Nach Bestätigung der SARS-CoV-2-Infektion eines Pflegeheimbewohners am 28. Februar veranlassten die amerikanischen Gesundheitsbehörden die Abklärung des Falls, Identifizierung aller Kontakte, Quarantäne exponierter Personen, Trennung der bestätigten von den Verdachtsfällen sowie verschärfte Präventionsmaßnahmen. Bis zum 18. März war die Zahl der Infektionen auf 167 angestiegen, betroffen waren 101 von ca. 130 Heimbewohnern, 50 von 170 Mitarbeitern sowie 16 Besucher. Die meisten infizierten Bewohner hatten respiratorische Symptome, sieben Bewohner blieben symptomlos. Stationär mussten 54,5% der infizierten Bewohner, die Hälfte der infizierten Besucher und 6% des infizierten Personals behandelt werden. Ein Drittel (33,7%; 34/101) der erkrankten Heimbewohner verstarben.

Vor dem Hintergrund dieser rasanten Ausbreitung der SARS-CoV-2-Infektion schlussfolgern die Autoren, dass ein proaktives Vorgehen zur Identifizierung bzw. dem Ausschluss von Mitarbeiterinfektionen oder von Besuchern dringend notwendig ist – ebenso die intensive Kontrolle der Bewohner hinsichtlich einer möglichen Infektion. Nur so und durch eine Einhaltung aller Hygiene- und Präventionsmaßnahmen könne ein Covid-19-Ausbruch verhindert werden.

McMichael TM, Currie DW, Clark S et al. Epidemiology of Covid-19 in a Long-Term Care Facility in King County, Washington. N Engl J Med 2020 Mar 27. doi: 10.1056/NEJMoa2005412. [Epub ahead of print]