Mit dem ersten publizierten Fallbericht aus Japan über einen Patienten mit isolierter SARS-CoV-2-Meningitis möchten die Autoren auf eine weitere, schwerwiegende neurologische Komplikation von COVID-19 hinweisen. Der Patient wurde mit dem Rettungswagen in die Klinik gebracht, nachdem es zuhause nach einem Krampfanfall bewusstlos aufgefunden wurde.

Aus jüngsten Veröffentlichungen ist bekannt, dass analog zu SARS und MERS auch SARS-CoV-2 ein nicht zu unterschätzendes neuroinvasives Potenzial zu besitzen scheint. Dadurch kann es offensichtlich zu einer Hirnstammbeteiligung kommen, wodurch Störungen der respiratorischen Regulation hervorrufen werden. Typische neurologische Symptome von COVID-19 sind weiter Anosmie, Ageusie, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Eine aktuelle Kasuistik zeigt, dass bei COVID-19 das ZNS – gerade auch bei jungen Patienten – befallen sein kann. Eine SARS-CoV-2-assoziierte Meningitis/Enzephalitis wurde bislang nicht beschrieben.

In den ersten acht Tagen seiner Erkrankung hatte der 24-jährige Mann wegen Müdigkeit, Kopfschmerz, Übelkeit und Fieber zweimal einen Arzt aufgesucht, der ihm unter dem Verdacht einer Influenza Laninamivir und fiebersenkende Medikamente verordnete. Eine Lungenröntgenuntersuchung war unauffällig. Am neunten Tag wurde er von der Familie zuhause bewusstlos aufgefunden. Während des Krankentransports kam es zu mehreren generalisierten epileptischen Anfällen, so dass er intubiert und beatmet werden musste. In der Klinik wurde eine ausgeprägte Nackensteifigkeit diagnostiziert; das MRT zeigte mit einer Virusmeningitis zu vereinbarende Hyperintensitäten entlang der rechten lateralen Ventrikelwand sowie rechts mesiotemporal und in der Hippocampusregion. Im Thorax-CT fanden sich zusätzlich Hinweise auf eine virale Pneumonie. Dennoch war der Nasenrachenabstrich auf SARS-CoV-2-negativ, im Liquor jedoch konnte spezifische SARS-CoV-2-RNA nachgewiesen werden. Die Diagnostik auf andere Meningitis-auslösende Viren war negativ. Trotz Therapie mit Aciclovir/Favipiravir, Steroiden und Levetiracetam war der Patient auch noch nach zwei Wochen wegen Bewusstseinsstörung in intensivmedizinischer Behandlung.

Die Autoren der Kasuistik möchten alle Ärzte, die während der COVID-19-Pandemie schwer erkrankte, respiratorisch unauffällige (auch junge!) Patienten mit isolierter neurologischer Symptomatik betreuen, eindringlich darauf hinweisen, dass es sich um Covid-19 handeln kann.

Diese Fälle sollten nicht übersehen werden. 

Moriguchi T, Harii N, Goto J et al. A first Case of Meningitis/Encephalitis associated with SARS-Coronavirus-2. International Journal of Infectious Diseases. https://doi.org/10.1016/j.ijid.2020.03.062