Verschiebungen in den Lymphozyten-Subpopulationen zeigen eine deutliche Assoziation mit klinischen Charakteristika der SARS-CoV2-Infektion (COVID-19) – insbesondere hinsichtlich der Schwere der Erkrankung sowie des voraussichtlichen Therapieansprechens. Die Lymphozytendifferenzierung kann daher möglicherweise ein Tool darstellen, schwere Verläufe früher zu erkennen und eher zu intervenieren.

Bei Virusinfektionen kommt es zu Veränderungen in den Lymphozyten-Subpopulationen, die oft von Virus zu Virus unterschiedlich sind, möglicherweise abhängig vom viralen Pathomechanismus. Nach bisheriger Datenlage kommt es bei COVID-19-Patienten zu einem Lymphozytenabfall; eine neue Studie untersuchte nun bei 60 Patienten die Veränderungen der Lymphozyten-Subpopulationen (durchflusszytometrisch) vor und nach der Behandlung. Es zeigte sich eine Verminderung der Gesamtlymphozytenzahl sowie der CD4+-T-Zellen, der CD8+-T-Zellen, der B-Zellen und der NK-Zellen. Die Veränderungen waren bei schwer kranken Patienten am ausgeprägtesten. Insbesondere ein Abfall der CD8+-T-Zellen und die CD4+/CD8+-Ratio waren mit dem Entzündungsschweregrad assoziiert. Im Rahmen eines Therapieansprechens stiegen bei 37 Patienten (67%) die Zahlen der CD8+-T-Zellen und auch der B-Zellen wieder an; bei Nichtansprechen der Behandlung zeigte die Lymphozytendifferenzierung keine signifikante Verbesserung. Wenn trotz Therapie die CD8+-T-Zellen und die B-Zellen weiter abfielen und die CD4+/CD8+-Ratio anstieg, war dies in der Multivarianzanalyse ein unabhängiger Prädiktor für einen ungünstigen Verlauf. Die Autoren vermuten, dass diese Befunde mit der spezifischen, viralen Pathogenese zusammenhängen; sie könnten daher als Biomarker bei COVID-19 dienen und sich für das Therapiemanagement bzw. Monitoring von Therapiestrategien eignen.

 

Wang F, Nie J, Wang H et al. Characteristics of peripheral lymphocyte subset alteration in COVID-19 pneumonia. J Infect Dis 2020 Mar 30. pii: jiaa150. doi: 10.1093/infdis/jiaa150. [Epub ahead of print]