Die COVID-19-Pandemie stellt auch bei der Betreuung von Patienten mit Multipler Sklerose (MS) und anderen neuroinflammatorischen Erkrankungen wie der Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD) eine besondere Herausforderung dar. Berufsverbände und Patientenorganisationen mehrerer Länder haben daher Leitlinienempfehlungen herausgegeben, die auf den Umgang mit MS und NMOSD-Patienten, insbesondere unter einer DMT („disease-modifying therapy“), fokussieren.

Es ist nicht bekannt, ob NMOSD- und MS-Patienten grundsätzlich ein erhöhtes COVID-19-Risiko haben – oder für schwerere Verläufe. Die aktuelle Publikation eines Autorenteams aus London, Amsterdam, Portland (Oregon, USA) und Queensland (Australien) fasst in einem Kommentar die wichtigsten allgemeinen und speziellen (konsensbasierten) Empfehlungen zusammen. Insgesamt werden auch in dieser Patientengruppe vornehmlich milde COVID-19-Vrläufe erwartet und es gelten in erster Linie alle COVID-19-Prävantionsmaßnahmen gemäß den WHO-Empfehlungen. Bei der Patientenberatung müssen darüber hinaus individuelle Faktoren wie Alter und klinischer Zustand (z.B. Beeinträchtigung der Atemmuskulatur) berücksichtigt werden, außerdem sind eine Schulung zur Symptomerkennung und das Bewusstmachen des möglicherweise erhöhten Infektionsrisikos unter laufender DMT wichtig. Darüber hinaus werden Empfehlungen zum Umgang mit einer DMT gegeben (Ab- oder Aussetzen sowie Wiederbeginn), ebenso zum Schubmanagement. So muss beispielsweise vor einer Steroidgabe bedacht werden, dass Viren bei MS-Patienten Pseudo-Schübe mit transienter Symptomverschlechterung auslösen können. Bei der individuellen Risikobewertung sollten auch pflegerische bzw. Versorgungsaspekte berücksichtigt werden. Alle Neurologen, die COVID-19-erkrankte NMOSD- oder MS-Patienten behandeln, werden außerdem zur Teilnahme an neu eingerichteten Registern aufgerufen. Das empfiehlt auch die DGN-Kommission Neuroimmunologie in ihrer Stellungnahme.

Brownlee W, Bourdette D, Broadley S et al. Treating multiple sclerosis and neuromyelitis optica spectrum disorder during the COVID-19 pandemic. Neurology 2020 Apr 2. pii: 10.1212/WNL.0000000000009507. doi:10.1212/WNL.0000000000009507. [Epub ahead of print]