Viele Studien haben gezeigt, dass das Risiko für thromboembolische Ereignisse bei COVID-19-Patienten erhöht ist. Eine Antikoagulation scheint daher indiziert, doch in welcher Dosis? Eine aktuell publizierte Arbeit aus Padua/Italien zeigt, dass eine höherdosierte Antikoagulation gegenüber einer niedrigdosierten prophylaktischen Gabe bei hospitalisierten Patienten keinen Vorteil bringt.

Die Antikoagulation ist gewissermaßen ein Vabanquespiel: Sie senkt das Risiko ischämischer Ereignisse, kann aber das Risiko für Blutungen erhöhen, die optimale Dosis ist nicht bekannt. Die vorliegende Studie [1] untersuchte das Nutzen-Risiko-Profil einer höherdosierten, therapeutischen Antikoagulation im Vergleich zur prophylaktischen.

Die Daten von 324 hospitalisierten COVID-19-Patienten wurden retrospektiv ausgewertet, kritisch kranke Patienten wurden jedoch ausgeschlossen. 240 von ihnen hatten eine niedrigdosierte prophylaktische Antikoagulation erhalten, 84 eine höherdosierte Therapie. Als prophylaktische Dosis galten 15.000 Einheiten/Tag unfraktioniertes Heparin, 4.000 Einheiten/Tag Enoxaparin und bis zu 2,5 mg Fondaparinux pro Tag. Höhere Dosen wurden als therapeutisch klassifiziert. Primärer Endpunkt waren schwere Blutungen und klinisch relevante (leichtere) Blutungen.

Im Ergebnis zeigte sich, dass der Endpunkt unter prophylaktischer Dosis bei 6,9 pro 100 Patienten pro Monat auftrat und unter therapeutischer Dosis bei 26,4 pro 100 Patienten pro Monat. Auch die Gesamtmortalität war höher (12,2 vs. 20,1 pro 100 Patienten pro Monat). Die Autoren schlussfolgern, dass eine höherdosierte Antikoagulation bei Patienten mit schweren, hospitalisierungspflichtigen COVID-19-Verläufen daher nicht zu empfehlen ist.

Pesavento R, Ceccato D, Pasquetto G et al. The hazard of (sub)therapeutic doses of anticoagulants in non‐critically ill patients with Covid‐19: the Padua province experience. Journal of Thrombosis and Haemostasis 21 July 2020.

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/jth.15022